Schwere Sprache
Unsere Angebote
Wir bieten …
→ Streetwork im Prostitutionsmilieu
→ Einstiegsberatung und Ausstiegsberatung
→ Begleitung
→ Psychosoziale Beratung
Streetwork im Prostitutionsmilieu
In den Kasseler Prostitutionsstätten arbeiten überwiegend Migrantinnen, die sich häufig in schwierigen sozialen, gesundheitlichen oder wirtschaftlichen Lebenssituationen befinden. Viele sind erst seit kurzer Zeit in Deutschland, kennen die vorhandenen Hilfsangebote nicht und sind sozial isoliert. In belastenden Situationen finden sie deshalb oft keinen Zugang zu Beratungs- und Unterstützungsangeboten.
Aus diesem Grund suchen wir die Frauen direkt an ihrem Arbeitsplatz auf. Unsere niedrigschwellige Streetwork findet regelmäßig in den Kasseler Laufhäusern und Clubs sowie im Landkreis Kassel statt.
Unser Ziel ist es, vor Ort mit den Frauen in Kontakt zu kommen, unsere Beratungsangebote bekannt zu machen und durch regelmäßige Präsenz Vertrauen aufzubauen. Eine vertrauensvolle Beziehung ist die Grundlage dafür, dass Frauen Unterstützung in Anspruch nehmen können.
Im persönlichen Gespräch informieren wir unter anderem über:
- Gesundheit und Gesundheitsvorsorge
- sexuell übertragbare Infektionen
- Verhütung
- Gewaltprävention
- bestehende Hilfsangebote
- rechtliche Rahmenbedingungen (Prostitutionsgesetz und Prostituiertenschutzgesetz)
Ein besonderer Schwerpunkt unserer Arbeit ist die kultursensible Beratung in der jeweiligen Muttersprache. Unsere Beraterinnen sprechen Rumänisch, Spanisch und Thai und arbeiten mit mehrsprachigen Informationsmaterialien. Dadurch können wir sprachliche Barrieren abbauen und den Zugang zu Unterstützung erleichtern.
Die regelmäßige Präsenz an den Arbeitsorten der Frauen ermöglicht es uns außerdem, Entwicklungen und Veränderungen im Prostitutionsmilieu wahrzunehmen und unsere Angebote kontinuierlich an die tatsächlichen Bedarfe der Frauen anzupassen. Denn sie selbst kennen ihre Lebensrealität am besten und geben wichtige Impulse für die Weiterentwicklung unserer Arbeit.
Einstiegsberatung
Wir respektieren die Entscheidung von Frauen, die sich freiwillig oder aufgrund begrenzter Handlungsmöglichkeiten für die Sexarbeit als Erwerbstätigkeit entscheiden. Diese akzeptierende Haltung bildet die Grundlage unserer Beratung.
Frauen, die einen Einstieg in die Sexarbeit erwägen, benötigen verlässliche Informationen, um selbstbestimmt Entscheidungen treffen zu können. Fehlende Informationen erhöhen das Risiko von Gewalt, Ausbeutung, gesundheitlichen Belastungen sowie persönlicher und finanzieller Abhängigkeit.
Wir beraten unter anderem zu:
- Arbeitsbedingungen in der Sexarbeit
- rechtlichen Rahmenbedingungen (Prostitutionsgesetz, Prostituiertenschutzgesetz)
- Steuern und selbstständiger Tätigkeit
- Anmeldung der Tätigkeit sowie möglichen Auswirkungen auf Privat- und Berufsleben
Ausstiegsberatung
Jede Frau sollte selbst entscheiden können, wie lange sie in der Sexarbeit tätig sein möchte und wann der richtige Zeitpunkt für einen Ausstieg gekommen ist.
Der Weg aus der Prostitution ist jedoch häufig mit großen persönlichen und bürokratischen Herausforderungen verbunden. Oft müssen Wohnraum, finanzielle Absicherung und berufliche Perspektiven neu aufgebaut werden. Viele Frauen verlieren mit dem Ausstieg zugleich ihre Unterkunft, weil sie am Arbeitsort wohnen. Hinzu kommen oftmals ungeklärte sozialrechtliche Ansprüche oder fehlende berufliche Qualifikationen.
Wir beraten unter anderem zu:
- Existenzsicherung
- sozialrechtlichen Ansprüchen
- Krankenversicherung
- Familiennachzug bzw. Zuzug von Kindern
- beruflichen Perspektiven
Wir unterstützen außerdem ganz praktisch, zum Beispiel durch:
- Begleitung zu Behörden
- Hilfe beim Ausfüllen von Anträgen und beim Verstehen von Behördenpost
- Unterstützung bei der Eröffnung eines Bankkontos
- Hilfe beim Abschluss einer Krankenversicherung
- Vermittlung in Notunterkünfte oder Notwohnungen
Begleitung
Für viele Migrantinnen stellen fehlende Deutschkenntnisse, geringe Bildungschancen sowie Unsicherheit oder Misstrauen gegenüber Behörden und Hilfesystemen große Hürden dar. Deshalb reicht eine reine Beratung häufig nicht aus.
Wir begleiten Frauen zu Arztpraxen, Beratungsstellen, Kliniken sowie – wenn möglich – zu Behörden und Ämtern. Dabei unterstützen wir sie nicht nur organisatorisch, sondern auch sprachlich und kulturell. Unsere muttersprachliche Begleitung hilft dabei, Missverständnisse zu vermeiden und sicherzustellen, dass die Anliegen der Frauen verstanden werden.
Auch deutsche Sexarbeiterinnen nutzen unser Begleitungsangebot. Hintergrund sind häufig Erfahrungen mit Stigmatisierung oder die Sorge vor Diskriminierung bei Behörden und anderen Institutionen.
Psychosoziale Beratung
Frauen, die sich in belastenden Lebenssituationen befinden oder psychisch unter ihrer aktuellen Situation leiden, können unsere psychosoziale Beratung in Anspruch nehmen, bei Bedarf auch über einen längeren Zeitraum.
Gemeinsam entwickeln wir Orientierung und Perspektiven, unterstützen bei Entscheidungs- und Konfliktprozessen und stärken die persönlichen Ressourcen der Frauen. Dabei berücksichtigen wir stets ihre individuelle Lebenssituation sowie ihr soziales und kulturelles Umfeld.
Unser Beratungsverständnis
Unser Beratungsansatz ist ganzheitlich, ressourcenorientiert und parteilich. Im Mittelpunkt stehen die individuellen Bedürfnisse, Lebensrealitäten und Ziele der Frauen.
Alle Beratungen sind freiwillig, anonym und vertraulich.