Meilensteine

1998 – Aufbau eines Beratungsangebots für Frauen in der Prostitution
FiF e.V. nahm das Angebot des Gesundheitsamtes der Stadt Kassel an, Trägerverein eines Beratungsangebots für Frauen zu werden, die in der Prostitution tätig sind oder waren, und damit einen Kontakt zu professionell arbeitenden Prostituierten in Kassel herzustellen und ihnen ein Hilfs- und Unterstützungsangebot zu eröffnen.

2002 – Neue Rahmenbedingungen durch das Prostitutionsgesetz
Mit Inkrafttreten des Prostitutionsgesetzes entfiel die verpflichtende Untersuchung auf sexuell übertragbare Krankheiten und damit auch der regelmäßige Kontakt des Gesundheitsamtes zu Sexarbeiterinnen. Sichtbar wurde dadurch zum zentralen Bindeglied zwischen den Frauen und dem Gesundheitsamt sowie zu einer wichtigen Anlaufstelle für Beratung und Unterstützung.

2007 – Veränderungen durch die EU-Erweiterung
Die EU-Erweiterung führte zu deutlichen Veränderungen im Prostitutionsmilieu in Kassel. Seither begleitet sichtbar Frauen aus zahlreichen verschiedenen Herkunftsländern, zunächst insbesondere viele sprach- und ortsunkundige Migrantinnen aus Süd-/Osteuropa. Der Bedarf an mehrsprachiger Beratung und der Einsatz von Übersetzerinnen nahmen dadurch erheblich zu.

2010 – Kooperation mit der Aids-Hilfe Kassel
Ein Kooperationsvertrag mit der Aids-Hilfe Kassel wurde geschlossen; sichtbar und die Aids-Hilfe setzen seitdem gemeinsam das Projekt „Gesundheitsförderung zu HIV/Aids und STI´s im Bereich sexueller Dienstleistungen“ um.

2015 – Ausbau der Unterstützung für Migrantinnen in der Prostitution
Die Stadt Kassel beantragte erfolgreich EU-Fördermittel, unter anderem zur Unterstützung der Arbeit mit Migrantinnen in der Prostitution. Damit wurden wichtige Grundlagen für den Ausbau niedrigschwelliger Beratungs- und Unterstützungsangebote geschaffen.

2016 – Start des EU-Projekts „GWEN – Gesundheitsförderung weiterentwickeln“
Mit Beginn der dreijährigen EU-Förderphase konnte sichtbar seine Strukturen deutlich erweitern. Erstmals war es möglich, zwei hauptamtliche Mitarbeiterinnen in Teilzeit sowie zwei muttersprachliche Beraterinnen zu beschäftigen. Die aufsuchende Arbeit wurde intensiviert.

2017 – Zugang zu medizinischer Versorgung durch die Humanitäre Sprechstunde
Im Kurhessischen Diakonissenhaus in Kassel wurde ein neues medizinisches Angebot zur Verfügung gestellt. Seitdem bieten die Fahrenden Ärzte e.V.  dort eine kostenlose medizinische Basis-Versorgung für Menschen ohne Krankenversicherung an. Die „Humanitäre Sprechstunde“ war ein Meilenstein des Gwen-Projekts. Durch unser muttersprachliches Begleitungsangebot ermöglichen wir seither einen niedrigschwelligen Zugang für Frauen in der Prostitution in dieses, auf Wunsch anonyme, ärztliche Angebot.

2018/2019 – Verstetigung der Arbeit nach Ende der EU-Förderung
Nach Abschluss des EU-Projekts GWEN wurde ein Folgeantrag entgegen der Erwartungen nicht bewilligt. Die Stadt Kassel überzeugte jedoch die Qualität und Bedeutung des entwickelten Angebots und stellte ab 2019 zusätzliche finanzielle Mittel bereit. Dadurch konnte sichtbar die erfolgreiche Arbeit in bewährter Weise fortführen und nachhaltig sichern.

2020 – Auswirkungen der Corona-Pandemie auf Sexarbeiterinnen
Mit Inkrafttreten der Corona-Schutzverordnung wurden Prostitutionsstätten wie Bordelle, Laufhäuser und der Straßenstrich geschlossen. Das Tätigkeitsverbot hatte erhebliche soziale und wirtschaftliche Folgen für viele Frauen. Besonders Migrantinnen waren betroffen, da sie häufig keinen Zugang zu staatlichen Unterstützungsleistungen hatten.
Gleichzeitig verlagerte sich Prostitution zunehmend in private Wohnungen, Hotels und Apartments. Dadurch arbeiteten viele Frauen isolierter, mit weniger Schutz und schlechterem Zugang zu Beratung und Unterstützung. Die aufsuchende Arbeit stand während der Pandemie vor neuen Herausforderungen.

2021–2025 – Strukturelle Veränderungen und neue Herausforderungen
Offizielle Arbeitsstätten wie Clubs und Laufhäuser wurden im Laufe der Jahre zunehmend geschlossen. Die Prostitution verlagerte sich immer mehr in private Räume wie Wohnungen, Hotels oder kurzfristig angemietete Unterkünfte in Stadt und Landkreis Kassel. Diese Orte sind in der Regel inoffiziell und für Streetwork nicht erreichbar.

2025 – Neue digitale Zugangswege und Weiterentwicklung der Beratung
Um auch Frauen zu erreichen, die über aufsuchende Arbeit nicht mehr erreicht werden können, erweitert sichtbar seine Kontaktwege. Durch Online-Recherchen auf Erotikportalen und die direkte Kontaktaufnahme über Messenger-Dienste werden neue Möglichkeiten geschaffen, Beratung und Unterstützung auch unter veränderten digitalen Bedingungen zugänglich zu machen. Die Entwicklung vielfältiger, sicherer und datenschutzkonformer Kontaktwege wird auch künftig ein zentraler Schwerpunkt der Arbeit sein.